Zur Veranstaltungsreihe
Do, 10.Juni: Antisemitismus im (ost)deutschen Fussball
Di, 15. Juni: Südafrika zu Zeiten der WM
Do, 24. Juni: Homophobie im Fussball
Di, 29. Juni: Fans im Fussball
Mi, 07. Juli: Rassismus im Fussball
Fr, 09. Juli: Antifa heisst Anpfiff - DIE Fußball-Rallye
Di, 13. Juli: Kleine geile Freizeit- und Amateurvereine
Sonntägliches Filmprogramm
Zur Veranstaltungsreihe
Nationalfahnenbewimpelte Autokorsos, kaum eine Kneipe ohne Großbildleinwand, König Fussball beherrscht die Welt. Man kennt das von der WM 2006 in Deutschland. Es geht um mehr als ein Stück aufgepumptes Leder im Netz, denn nichts scheint die Schicksalsgemeinschaft so zu bewegen wie elf Paar behaarter Männerbeine. Deutschland ist „Schwarz-Rot-Geil“, Nationalismus ist Partyzwang. Doch im Abseits dieses Taumels geht es um mehr als Rundes und Eckiges. Fussball ist mehr als ein gesellschaftliches Spiegelbild, denn als der Erde liebster Sport, baut auch er fleissig mit an Diskriminierungen und Ausgrenzungen. Nicht der Ball grölt rassistisch aus der Kurve, beschimpft Spieler als „schwul“ und nimmt Frauenfussball kaum ernst, sondern seine Fans und Funktionäre. Doch existiert auch Gegenläufiges: Faninitiativen und kleine Vereine, die sich anders gestalten möchten. Wir wollen dem, was andernorts wenig beleuchtet wird, mit dieser Veranstaltungsreihe einen Raum geben, die Themen aus dem feierwütigen Abseits zu holen. Sei dabei, wenn dem Zwang mitzufeiern Hausverbot erteilt wird und genieß eine nationalfahnenbefreite Zone, um über Dinge diskutieren, bei denen andere nur abwinken!
Präsentiert von:
love sports, hate neonazism, geile Kampagne
Roter Stern Nordost Berlin, geiler Verein
Tristeza, geile Kneipe
Do, 10. Juni 2010
Infoabend: Antisemitismus im (ost)deutschen Fussball - Tradition und Gegenwart
April 2010: Der Rote Stern Leipzig ist zu Gast im sächsischen
Mügeln. Am Rande grölen 50 Neonazis immer
wieder die Sprechchöre "Juden" und "ein Baum, ein Strick,
ein Judengenick". Als in der 80. Minute das berüchtigte UBahn-
Lied, in welchem die Hauptzeile lautet "Eine U-Bahn
bauen wir, von Jerusalem bis nach Auschwitz" gesungen
wird, bricht der Schiedsrichter das Spiel endlich ab.
Fragt man ostdeutsche Fußballfans, wieso sie solch
menschenverachtende Parolen singen oder zumindest
in ihrem Block dulden, erntet man Achselzucken oder
Ausreden. Zum Beispiel, dass dieser Slogan schon zu
DDR-Zeiten gerufen wurde, wenn der BFC Dynamo zu
Gast war oder Union Berlin, um diese zu provozieren.
Den Gegner als Juden zu bezeichnen gilt demnach in
einzelnen Fankreisen als die unterste Schublade der
gegenseitigen Beschimpfung im Fußballstadion. Ebenso
wie in der Gesellschaft. Doch wieso ist diese Art der antisemitischen
Provokation gerade im Osten Deutschlands
derart verbreitet?
In dem Vortrag werden jene historische Kontinuität des
Antisemitismus im ostdeutschen Fußball sowie seine Verwurzelung
in der Fanszene skizziert und analysiert.
Es referiert:
Michael Zantke, Student der Politikwissenschaft
Di, 15. Juni 2010
Infoabend: Südafrika zu Zeiten der WM - Befreiungskampf in der Verlängerungsphase.
Die Audio-Aufnahme der Veranstaltung gibt's HIER (64,1 mb; 1h 41min)
Mit der WM rückt Südafrika in den Fokus der deutschen
Öffentlichkeit. Viele, die es lieber lassen sollten, werden
in den nächsten Wochen ihre Meinung zu den Verhältnissen
am Kap kundtun. Bei der Veranstaltung geht es um
Frage, wie das Land und seine umkämpfte Geschichte
wahrgenommen und repräsentiert werden und wie sich
die gesellschaftlichen Machtverhältnisse in den letzten
Jahren verändert haben. Dies bezieht auf den Wandel
des Rassismus, neue soziale Spaltungslinien und die damit
verbundenen Kämpfe von unten.
Es referiert:
Romin Khan, Mitherausgeber von "Südafrika - Die
Grenzen der Befreiung", Assoziation A, Berlin
Do, 24. Juni 2010
Infoabend: Homophobie im Fussball -
mehrheitlich abgelehnt und doch toleriert
"Als ich noch in Bremen war, hörte ich, dass unser Masseur
schwul ist." Reaktion Rudi Assauers, Ex-Manager
von Schalke 04: "Ich habe ihm gesagt: Junge, tu mir einen
Gefallen: Such Dir einen neuen Job.".
Schon seit vielen Jahren fragen Medien und Sportvertreter
danach, doch passiert ist bisher nichts: Wann outen
sich die ersten aktiven Fußball spielenden Frauen und
Männer als homosexuell? Klar ist: Einige sind homosexuell,
verstecken sich jedoch: Mit Alibi-Ehe, Alibi-Kindern
und damit zu weiten Teilen Alibi-Leben.
Offene und versteckte Spielarten von Homophobie befinden
sich bei Vereinen und Verbänden ebenso wie bei den
Spielenden selbst und deren Fans. Und das obwohl sich
diese im Fußball weit öfter körperlich nahe sind als im
restlichen gesellschaftlichen Leben. Oder sind Sie gerade
deswegen besonders homosexuellenfeindlich?
Es würden diejenigen, die sich outen, plattgemacht von
ihren Mitspielern und von den Leuten im Stadion. "Diese
Hetzjagd sollte man ihnen ersparen.", so Assauer.
Wir werden aktuelle Erscheinungsformen von Homophobie
im Fußball benennen und Praxisbeispiele vorstellen,
die sich klar dagegen positionieren.
Es referieren:
Tanja Walther-Ahrens, European Gay and Lesbian
Sport Federation
Torsten Siebert, Projektleiter Respect Gaymes
n.n., Sportverband für Schwule und Lesben (angefragt)
Di, 29. Juni 2010
Fans im Fussball - gewollt und doch gehasst
13. März 2010: Nach einem verlorenen Spiel gegen den
1. FC Nürnberg überqueren 100 Hertha BSC Fans die
Absperrungen, rennen in Richtung Mannschaftskabine
und richten Sachschaden an Trainerbänken und Werbetafeln
an. Die Aufregung danach ist groß. Einmal mehr ist
von Chaoten, Randalierern, Rowdys, Krawallmachern die
Rede, Personen, die keine "wahren Fans" seien. Für die
"Ausschreitungen", hat es wie so oft wieder Stadionverbot
gehagelt. Der Fußball verkommt immer mehr zum kommerziellen
Pop-Event. Die Stimmung in den Stadien wird
meist nur noch von den Ultras getragen, diese werden
aber mehr und mehr ausgesperrt. Von Seiten des DFB
wurden zuletzt Pfiffe gegen die DFB-Elf schärfstens kritisiert.
Damit wird ganz deutlich gezeigt: Eintritt bezahlen
- Teuere Getränke konsumieren - Platz nehmen - nach
90. Minuten applaudieren - wieder gehen. Emotionen zeigen
verboten. Doch sind es diese Fans, die kaum Kosten,
Mühen und genommene Urlaubstage scheuen, um bspw.
ihre Vereine zu Auswärts- oder gar Auslandsfahrten
begleiten. Für eine 0:4 Klatsche in Lissabon, 300 Euro
auszugeben und zwei Urlaubstage zu opfern, davon liest
niemand irgendwo...
Es referieren:
Elke Wittich, Jungle World / Sportswire
Jan, fußball von links
N.N., Ultra eines Berliner Fußballvereins (angefragt)
Mi, 07. Juli 2010
Infoabend: Rassismus im Fussball - Deutschsein als Alltag
Frühjahr 2010. Der DFB veröffentlicht im Vorfeld der Männer
WM ein Video, in dem sich Eltern unterschiedlicher
Herkünfte zum sprachlich bunten Grillabend treffen. Was
haben sie gemeinsam, fragt die Stimme aus dem OFF.
Ihre Kinder spielen in den Junioren-Teams des DFB.
"Fussball ist Zukunft" endet der Trailer. Nur ein paar Monate
zuvor: Kurz nachdem die U-19 Juniorenauswahl
des DFB die WM gewonnen hat, merkt Oliver Bierhoff in
einem Interview leise an, dass es viele Zuschriften gegeben
hätte, die sich über den großen Anteil nichtdeutscher
Jugendlicher in dem Team beschwerten. Freude sieht
anders aus. Wer gehört dazu, wer nicht? Was die DFBOberen
erkannt zu haben scheinen - dass rassistische
Ausgrenzung die eigene Jugendarbeit unterläuft - kommt
beim gemeinen Fan und andernorts schlecht an. Noch
immer tönt es vielerorts rassistisch aus der Kurve, noch
immer ist Türkiyemspor Berlin der einzige nach 1945 von
Migranten gegründete Verein im deutschen Profifussball
- und das ohne eigene Spielflächen.
Es referieren:
Cetin Özaydin, Förderverein Türkiyemspor Berlin
Gerd Dembowski, Ausstellung "Tatort Stadion"
Fr, 09. Juli 2010
Antifa heisst Anpfiff!!! - Antinationale Fussballrallye
Die Tristeza als antinationaler Parcour: Fussballkritisches,
nicht nur zur WM, im besten Gewand. Kommt in Teams
zu unserem interaktiven Quiz-und Spieleabend und lacht
über Dinge aus dem schwarz-rot-goldenen Ballkosmos.
Wissen hilft nicht immer weiter - an mehreren Stationen
sind eure Spontaneität im kreativen Umgang mit der deutschen
Fussballwelt gefragt. Zu gewinnen gibt es einiges,
doch auch ihr sollt etwas beitragen und deswegen die erste
Aufgabe gleich hier: Bringt uns ein Stück vom "Größten
Scheiß vom Merchandise"! Durchsucht noch vor dem
Abend die Bastionen des nationalen Kitsches und bringt
das Kurioseste mit. Essbare Unterwäsche in Nationalfarben?
Schwarz-rot-geil-Bier, dass die Zeit ansagt? Egal,
ihr denkt euch eine kleine Geschichte dazu aus und die
besten werden prämiert.
Wir wünschen euch einen tollen Abend, ihr könnt gespannt
sein!
...und reine Männerteams können mit Minuspunkten
rechnen!
Es referieren:
Frank Rijkaard, Spucker der Nation
Lothar Matthäus, Englischlehrer, ehem. Fußballgott
Jürgen Sparwasser, Bezwinger des kapitalistischen
Systems
Di, 13. Juli 2010
Infoabend: Freizeit- und Amateurvereine -
Situation und Probleme
Der Verband für Freizeitfußball und der Berliner Fußball-
Verband sind DIE Institutionen des Berliner Amateur- und
Freizeitfußballs und vertreten rund 313 Vereine in denen
knapp 110.000 Mitglieder organisiert sind. Darüber hinaus
gibt es zahlreiche Kicker in den gesonderten Freizeitligen
von Universitäten, der Kirche oder Projekten die
sich explizit nicht an dem "Geldfußball" beteiligen wollen,
wie zum Beispiel die "Bunte Liga Berlin". Von deren Problemen
hören und sehen wir wenig bis nichts.
Doch ob nun die Entpolitisierung des Sports, kaum Partizipationsmöglichkeiten,
verwaltungsrechtlichte Probleme,
fehlendes Engagement bei den Mitgliedern, keine
Trainings- oder Spielmöglichkeiten, diskriminierende
Schiedsrichter und Teams, kaum Einnahmen, überlastete
Sportämter oder die von Funktionären vermittelte und
selbst gefühlte politische Bedeutungslosigkeit � es gibt so
nahezu jedes vorstellbare Problem in den unteren Ligen.
Dies und vieles mehr wollen wir auf der Veranstaltung erläutern
und diskutieren.
Es referieren:
Volkmar Lucius, Vorsitzender Bunte Liga Berlin
N.N.,Berliner Fußball-
Verband
Julius Martin, Pressesprecher Roter Stern Nordost
Berlin
Sonntägliches Filmprogramm
immer 21:30 Uhr im Nichtraucher_innen-Raum
06. JUNI: Football Under Cover
Der Film zeigt wie zum ersten Mal in der Geschichte des
Iran die iranische Frauennationalmannschaft im eigenen
Land vor Zuschauerinnen spielt: ein Freundschaftsspiel
gegen eine Auswahl aus Berlin Kreuzberg.
13. JUNI: Die Todeself
Die dramatische Rekonstruktion eines Spiels zwischen
dem ukrainischen Zwangsarbeiterteam „FC Start” und einer
deutschen Luftwaffen-Mannschaft zeigt zugleich das
Zusammenspiel von Fußball und Nationalsozialismus.
20. JUNI: When The Mountain Meets Its Shadow
Der Film erzählt von Ashraf, Mne, Zoliswa und Arnold, ihrem
Leben in den Armenvierteln rund um Kapstadt, von
Zwangsräumungen und Wassersperrungen und bösen
Erinnerungen an die Zeit der Apartheid.
27.JUNI: Das Grosse Tabu und Tabubruch
Die Reportage deckt auf subtile Weise auf, wie weit
Schwulen- und Lesbenfeindlichkeit im Fußball tatsächlich
verbreitet ist - und zwar auf allen Ebenen.
04. JULI: Fünfte Herren - Fussball Pur
Ein wunderschöner Film über den ganz normalen Amateurfußball-
Wahnsinn, garniert mit Spielszenen vom entscheidenden
Meisterschaftsspiel der Fünften Herren des
FC St. Pauli.
11. JULI: The Other Final
Für alle, die heute keine Lust auf richtiges Finale haben:
Am Tag des Endspiels um die Fußball-WM 2002 treten
die beiden schlechtesten Teams der Weltrangliste gegeneinander
an, Bhutan und Montserrat. Eine witzige Doku
zur Liebe zum Fußball, die noch an die Eine-Welt-Romantik
glaubt.